Netzentgelte: Welchen Einfluss haben sie auf den Strom- und Gaspreis?

Sie machen einen großen Teil Ihrer Stromrechnung aus: die Netzentgelte. Das sind die Gebühren, die Sie als Verbraucher für die Nutzung des Stromnetzes zahlen müssen. Damit werden Betrieb, Wartung, Ausbau und Modernisierung der Netze finanziert – also alles, was für eine stabile Stromversorgung nötig ist.

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Stichwort: Bundeszuschuss zu Übertragungsnetzentgelten

In aller Munde war der Begriff zuletzt im Zusammenhang mit einem Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzentgelten, mit dem die Bundesregierung Stromkunden ab 1. Januar 2026 entlasten will. Laut Wirtschaftsministerium könnten sich damit die Netzentgelte für Haushaltskunden im bundesweiten Schnitt um bis zu 2,4 Cent pro Kilowattstunde verringern.

Wie hoch die Entlastung jedes Kunden sei, lasse sich nicht so pauschal sagen, heißt es dazu vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Eine Studie im Auftrag der Wirtschaftsverbände VKU und ZVEI kommt gar zu dem Ergebnis, dass in manchen Gebieten von Verteilnetzbetreibern praktisch keine Entlastungen ankommen.

Netzausbau frisst Zuschuss fast auf

So auch im Nürnberger Land: Hier fällt die Wirkung des Bundeszuschusses sehr gering aus - wegen des derzeit massiven Netzausbaus in der Region. Der ist notwendig, um zahlreiche neue Solaranlagen, Wärmepumpen, Wallboxen oder Ladeparks für E-Autos zu integrieren.

Die Folge: Einige regionale Netzbetreiber müssen zum Jahreswechsel ihre Netzentgelte sogar erhöhen.

Im Stromnetz der HEWA sinken die Netznutzungsentgelte dennoch leicht um rund 0,10 Ct/kWh brutto.

Das „Porto“ für den Gas-Transport

Und auch auf Ihrer Gasrechnung spielen Netzentgelte eine wichtige Rolle: Damit zahlen alle Gaskunden für den Transport des Erdgases, das sie verbrauchen – ähnlich wie mit dem Porto für den Transport eines Briefes. Die Netzentgelte bestehen aus den Kosten für Fernleitungsnetze und Verteilnetze vor Ort. Mit ihnen werden Gasleitungen nicht nur gebaut, sondern auch instandgehalten, gesteuert und weiterentwickelt, damit sie rund um die Uhr zuverlässig und sicher funktionieren.

Im Zuge der Dekarbonisierung wird die Nachfrage nach fossilem Erdgas sinken. Heutige Gaskunden stellen künftig auf klimaneutrale Gase oder andere Formen der Energieversorgung wie Fernwärme oder Wärmepumpe um. Doch auch in dieser Transformationsphase muss die sichere Versorgung mit Gas jederzeit gewährleistet sein.

Welchen Einfluss hat „KANU 2.0“?

Mit Blick auf die voraussichtlich sinkenden Erdgasmengen durch weniger Kunden hat die Bundesnetzagentur 2024 Regelungen in der Kostenermittlung angepasst („KANU 2.0“). Diese führen zu einer gerechteren Verteilung der Netzkosten im Zeitverlauf. Denn bisher mussten Gasverteilnetzbetreiber ihre Investitionen über 45 bis 55 Jahren abschreiben. Mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität im Jahr 2045 könnten sie das besonders bei ihren in den vergangenen Jahren gebauten Netzen nicht vollständig tun - verbleibende Abschreibungen gingen in den kommenden 20 Jahren zulasten von immer weniger Netznutzern.

Um diese Entwicklung gerechter zu gestalten, erlaubt die Bundesnetzagentur mit „KANU 2.0“ kürzere Nutzungsdauern und flexible Abschreibungsmodalitäten für Gasnetze. Das führt zwar kurzfristig zu höheren Netzkosten, diese werden aber auf die derzeit noch hohe Anzahl Erdgaskunden verteilt, sodass die zusätzliche Belastung für den Einzelnen moderat bleibt.

Viele Gasnetzbetreiber setzen diese Option erstmals für 2026 um. Die Folge: die Gasnetzentgelte steigen ab 1. Januar 2026 spürbar um 0,4071 Cent pro Kilowattstunde.