Innovativ und effizient: Das Wärmenetz Raiffeisenstraße Süd

Das Neubaugebiet Raiffeisenstraße Süd in Hersbruck wird vollständig durch die HEWA GmbH mit Wärme aus 100 % erneuerbaren Energien versorgt. Die Energieerzeugung erfolgt zentral in einer neu errichteten Heizzentrale, in der eine hocheffiziente Sole-Wärmepumpe installiert wurde. Die Wärme wird über ein mittelwarmes Niedertemperatur-Wärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt. Der Anschluss an das Wärmenetz stellt für die Anwohner eine langfristig attraktive und komfortable Lösung dar, mit der sie gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur lokalen Energiewende leisten.

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Wärmeerzeugung und Energiequellen

Die zentrale Sole-Wärmepumpe nutzt zwei unterschiedliche Umweltwärmequellen:

Geothermiekollektor

  • Größe: ca. 4.000 m²
  • Installation unter landwirtschaftlich genutzter Fläche unweit des Baugebiets
  • Hauptwärmequelle in den Wintermonaten (Erdwärme)

Rückkühlwerke

  • Zwei Rückkühlwerke dienen als Luftwärmequelle
  • Hauptwärmequelle in den Sommermonaten (warme Umgebungsluft)

Zwischen beiden Wärmequellen wird automatisch diejenige gewählt, die den höchsten Effizienzgrad ermöglicht (Erdwärme im Winter, Luftwärme im Sommer).

Sektorenkopplung: Kombination aus Wärmeerzeugung und Photovoltaik

Zur Versorgung des Wärmeerzeugungssystems mit regenerativem Strom wurden die Dächer der Mehrfamilienhäuser des Bauträgers GBI vollständig mit Photovoltaik ausgestattet.

Die installierte PV-Leistung beträgt insgesamt 150 kWp.

Der erzeugte Strom wird unter anderem genutzt für:

  • den Betrieb der zentralen Wärmepumpe
  • die Beladung der 15.000-Liter-Pufferspeicher
  • die Regeneration des Erdwärmekollektors im Sommer über die Rückkühlwerke

Durch diese intelligente Nutzung des PV-Stroms wird nahezu jede erzeugte Kilowattstunde verwertet. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit und die Klimabilanz der gesamten Anlage.

Wärmeverteilung über ein Niedertemperaturnetz

Die Wärmeversorgung erfolgt über ein mittelwarmes Wärmenetz mit einer Vorlauftemperatur von ca. 45 °C. Diese Temperatur ist für moderne Neubauten mit Flächenheizsystemen vollkommen ausreichend und führt gleichzeitig zu:

  • reduzierten Wärmeverlusten im Leitungsnetz
  • einer höheren Effizienz der zentralen Wärmepumpe
  • einer insgesamt besseren Energiebilanz des Versorgungssystems

Warmwasserbereitung in zwei Stufen

Die Warmwasserbereitung in den Haushalten erfolgt zweistufig:

  1. Vorerwärmung über die Wärmeübergabestation des Wärmenetzes
  2. Temperaturanhebung auf Endniveau durch elektrische Systeme innerhalb des Gebäudes wie

  • zum Beispiel Durchlauferhitzer
  • oder eine Brauchwasser-Wärmepumpe

Dieses Konzept führt zu hoher hygienischer Sicherheit, Flexibilität und einer guten Energieeffizienz.

Die Vorteile des Wärmenetzes:

Durch die Nutzung der BEW-Förderung (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze) kann die HEWA GmbH Wärme zu Konditionen anbieten, die im Neubau in der Regel attraktiver sind als der Betrieb einer eigenen Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Weitere wirtschaftliche Vorteile:

  • Einsparung von ca. 3.500 Euro bei Hausanschlusskosten für Wasser und Strom bei Wahl eines Wärmenetzanschlusses
  • Keine Anschaffungskosten für eine eigene Wärmepumpe
  • Geringere Ersatz- oder Reparaturkosten, weil nur eine Wärmeübergabestation im Gebäude installiert wird
  • Die Steuerung und Optimierung der zentralen Wärmeerzeugung erfolgt durch Fachpersonal, was für dauerhaft optimale Betriebskosten sorgt

Deutschland importiert jährlich fossile Energieträger im Wert von rund 81 Milliarden Euro.

Das Projekt zeigt eine Alternative auf:

  • Vollständige Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger
  • Regionale Erzeugung statt internationaler Energieimporte
  • Lokale Wertschöpfung durch Bau, Betrieb und Wartung der Anlage
  • Langfristige Stabilität der Versorgung und der Preise

Damit leistet das Wärmenetz im Neubaugebiet Raiffeisenstraße Süd einen konkreten Beitrag zur Energiewende im Wärmesektor und dient als Referenzprojekt für zukünftige Quartierslösungen.

Die zentrale Wärmeerzeugung ermöglicht zahlreiche Weiterentwicklungen im Betrieb:

Dadurch bleibt das gesamte System über Jahrzehnte technisch modern und wirtschaftlich attraktiv.

Alle Aufgaben rund um die Wärmeerzeugung übernimmt die HEWA:

  • Steuerung und Optimierung der Wärmepumpe
  • Einsatz der jeweils effizientesten Wärmequelle
  • Überwachung, Wartung und Störungsbehebung
  • Anpassung an neue Tarifmodelle und Betriebsstrategien

Für die Bewohner bedeutet das: keine Einstellungen, kein Aufwand, keine technischen Risiken.

Und weil keine eigene Wärmepumpe betrieben wird, entstehen:

  • keine Betriebsgeräusche durch Ventilatoren oder Kompressoren
  • keine Einschränkungen durch Lärmpegel in der Nachbarschaft

Das Wohnumfeld bleibt vollständig ruhig – ein wichtiger Vorteil in eng bebauten Gebieten.